Ó Mergat Verlag 2002

  Filmausschnitt von der Premiere am 30. Juni 2002 

Ich ¾ Du

  (Vor-Schau)

Das Licht ist aus; B. spricht, M. spielt auf der Gitarre.

 

                               Nacht,  --- wenn es dunkel ist

und hörbar die Vereinzelten

 

 

dann stehst Du auf

 

sacht und beweglich

 

und beginnst zu lauschen

 

ob nicht der dich meinende

 

dich berührende Ton da ist;

 

 

und vernimmst Du ihn

 

so stehst Du auf 

 

bebst in einer Erwartung

 

Kind ¾¾ Erwacht.

 

 

 

Wie groß die Verletzungen

 

in eigener Schuld geborgen

 

 

dem Nicht-Erblicken

 

dem Nicht-Erlauschen

 

dem Nicht-Erkennen

 

 

 

--- so wirst verbrannt

 

leuchtest mit der Zeit aschrot

 

ein Zustand

 

mit dem Alles möglich --- ist:

 

 

 

Aus der Un-Zahl betrifft Dich immer

 

deine Botschaft

 

 

Aus der Un-Menge immer

 

dein Maß

 

 

Aus der Un-Bewegung

 

das geschmeidige Spielen der Figuren

 

in der Luft

 

 

ist zum Körpertanz

 

geworden.

 

 

 

 

Das Licht geht an.

 

M. spielt Töne auf der Gitarre; B. singt an-näherungs-weise diese Töne; da-zwischen sprechen Beide unisono ...

 

Das Verhältnis  ist  von Vor-sicht und Zartheit getragen ¾.

  

 

Nachfahren der Fühlung in Dunkelheit;

 

entlang der Oberflächen;

 

kampflos offenbar unserer Zuneigung.

 

  

B. steht, geht und singt; M. sitzt, spielt auf der Gitarre.

 

Immer eroberter  wird nun der Raum, das Verhältnis zum Raum; da-zwischen  spricht M. mahnende Worte:

   

Nur was immer Du willst ¾¾ mit den klaren Rändern, der Grenze.

 

 

B. verletzt die Grenzen, bis sie vor der Wand steht, mit einem sirenenartigen Ton abbricht.

 

Doch irgend-dann erwacht sie zu ihrem Puls, ihrem Herzschlag, ihrem Körper, ¾ beginnt sich im rythmischen Spiel zur Gitarre, mit der Gitarre zu bewegen;  M. im  Sprechgesang:

 

 

 

Gut im Körper ¾ Guter Körper ¾ Gutem Körper ¾ Guter Körper

 

 

 

Doch bald ist es so, dass B. mit, in ihrem körperlichen Verhältnis sich in, mit ihrer vermeintlichen Macht - Genuss – Vollkommenheit im Kreis zu drehen beginnt; die Bewegung verkommt zu einem  desorientierten Sich-im- Kreise-Drehens.

 

B. am Boden, ¾ M. spricht folgende Worte, zündet dabei ein Licht, vor "kindischer Einschlag" erhebt sich B. noch einmal kurz:

 

 

Pole des Eigen ¾¾ Du ; weit über Willkür hinaus, kein Zurück, dauernd nach Vorne, und doch, ¾ kindischer Einschlag lächelt seinen Abgrund.

 

  

B. erhebt sich langsam; vom hinteren Bühnenrand nach Vorne zündet Sie in Kreis-Richtung des von M. entzündeten Lichts Kerzen an;

 ¾ von Licht zu Licht entwickelt sie ihre Stimme, ihren Ton, ihren Gesang, schließlich frei, ohne Begleitung, nicht versteckt, nicht erschlagend, sondern  d a .

 

Im Staunen, im Freuen, aber auch der Ausser-Acht-Lassung eigener Position des Mangels spricht M:

  

 

Und wie das funktioniert, an der Grenze bei Dir!

 

  

B. sitzt, in Ruhe, gelassen; liebevoll, bestimmt fragt sie M:

 

  

Und wie das funktioniert, an der Grenze bei Dir?

  

 

M. ist be-troffen, ge-troffen, auf sich, auf seinen Zustand zurückgeworfen, und erfährt so den eigenen Schmerz;

er ver-sucht selbst in Bewegung zu kommen, nimmt ein Metronom, stellt es auf, lässt es laufen und sucht mit einer halb in der Hülle steckenden Flöte dazu zu spielen,

ihm gelingt es nicht der vorgegebenen Bewegung zu folgen ... fühlt sich als Versager, resigniert, das Metronom schlägt unerbittlich;

 

B. kommt, stellt sacht das Metronom ab, nimmt M. die Flöte aus der Hand, lässt ihn allein, ... Stille.

 

 

Bald beginnt B. anhaltende Töne zu spielen, im Lauf des, ihres Atems;

 

M. scheint zu erwachen, wie eine Gliederpuppe, von einem Zentrum geführt, gibt er sich  hin, bewegt von I H R.

  

M. findet s e i n e  Flöte. Aus seinem Ton  wird ein Begegnen der Töne möglich:

 

M. und B. spielen gemeinsam. 

  

M. am Klavier; B. singt

 

Da-zu die Worte:

 

  

(M) Sprache finden, Dir zu ¾¾ (B) und weiteres löst sich.

 

 

 

Die Musik am Klavier  p e r l t ;  aus der Sprache entsteht Poesie; das Du-sagende Wort wird zur tiefer berührenden Botschaft. B. spricht:

  

 

Hinter der Grenze ¾¾ Sichtbarkeit

 

birgt sich die Wahl immer tiefer bis ¾¾

 

kristall-klar Du weißt

 

was zu tun scheint.

 

 

Geschieht übers Hören, geschieht übers Hören ...

 

  

B. nimmt eine Handvoll Kieselsteine und lässt sie in ein Glas fallen; danach schüttet sie mit einem Wurf die Steine aus;

 B. und M. nehmen je einem Stein, halten ihn, tauschen ihn im gegenseitigen Erklingenlassen einer Maultrommel aus;

beginnen abwechselnd im Spiel und im Sprechen folgende Worte zu sagen:

 

 

Schloh-weiß an Schloh-weiß,

 

Bauch-Nabel an Nabel

 

 ¾¾ das Spiel ums Letzte ... Un-gesagte - .

 

  

Nun sammelt M. die übrigen Steine auf und gibt sie B. in die geöffneten Hände; diese nimmt lächelnd sie entgegen und reicht M. eine Bratsche, die dieser mit einer einfachen Tanz-Melodie anstreicht, dabei B singend ruft:

  

 

Vom Herz zur Stirn, zu den Füßen ¾¾ tanzend, stampfend, ¾¾

 

immer leicht im Wind-igen.

 

 

 

M. geht ans Klavier; B. singt ¾ dazwischen:

  

 

Liebste ¾ Herbe-¾ Sprache.

 

 

 

 Erschöpft, aber gelöst und ruhig legt sich B. auf den Boden;

 

M. bedeckt sie mit einem weißen Laken; M. aufrecht sitzend neben ihr, im schwachen Schein eines

stark heruntergedimmten Lichts`;

 

M. spricht:

 

 

Schweigen, wo`s lang die Nacht ist

 

wo`s schmal lockt und tropft und ein-lädt ¾ zu Recht

 

Dort, im Recht,  rollt die Kugel in der Schale aus ¾

 

Dort, rechtens ist das Gras grün, immer, ¾ da.

 

 

 

Nun legt sich  M. bäuchlings in entgegengesetzer Richtung zu B. hin, stützt seinen Kopf auf, spricht:

 

 

Kein spezieller Ton, kein herausgestellt Gewerktes  ¾¾

 

ruhig beobachten, was an-klingt

 

in Wundern-Land ohne Vorzug.

 

 

Kein Hinein-Nehmendes oder Aussen-Vorne-Sein mehr

 

die Kunst des Alles-so-Da-Sein

 

Das Begehren des Ungefähren.

 

 

 

 

M. streift B. ihr Laken ab; legt sich entgegengesetzt zu ihr ¾ hin, Kopf an Kopf;

 

Beide sprechen im Wechsel der Worte immer schneller, mit verschiedenster Dynamik; langsam

 verebbt E S zu einem unhörbaren Wort,

 dessen Kraft d a – i s t, das Licht geht aus.

  

 

 

        ||: Ich bin durch Dich, durch Dich, durch Dich :||